Mittwoch, 21. November 2007

Kommt spielen! Das Web wird mobil, kollektiv und spaßbetonter als heute.

Rasant, innovativ, unvorhersehbar: Das Internet ist auf der medialen Überholspur. Wohin die Reise geht, bleibt allerdings offen. Wenn man daher etwas über die zukünftigen Trends im Internet wissen will, sollte man jemanden fragen, der an der Entwicklung dieser Trends beteiligt ist. Peter Schink hat als Entwickler bereits mit dem Launch der Readers Edition Akzente gesetzt. Heute ist er Senior Produktmanager bei Welt Online und auch privat ein Programmierer des Web 2.0.


Herr Schink, Sie leiten die Produktentwicklung bei Welt Online, sind selbst Programmierer und haben beispielsweise mit LaufRausch.net oder Geektogether.org diverse Webangebote entwickelt. Zudem führen Sie ein eigenes Wiki und eigene Blogs. Man darf also behaupten, Sie sind mit der Entwicklung des Internets gut vertraut. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft riskieren, wie sieht dann Ihrer Meinung nach das Internet in 10 Jahren aus?

Wenn ich das wüsste, wäre ich vermutlich bald reich. Aber ein paar Annahmen lassen sich treffen: Das Web wird mobil werden, sowohl die Geräte als auch die Anwendungen dazu sind bereits absehbar. Das Web wird kollektiv werden, die Wikipedia ist nur ein Anfang. Kollektive Businessmodelle rechnen sich schon jetzt, also wird es auch bald viel mehr Firmen geben, die durch die Bündelung von Inhalten vieler Nutzer ihr Geld verdienen wollen. Und zuletzt vielleicht: Das Internet wird spaßbetonter sein als heute. Menschen lieben zu spielen, sich mit anderen zu messen, sind neugierig. Da gibt es heute im Internet einen großen Nachholbedarf.

In Ihrem Weblog Blog Age dokumentieren Sie die derzeitige Entwicklung des Web 2.0. Welche neuen Ideen und Formate dürfen die Internetnutzer demnächst erwarten? Was, glauben Sie, sind die nächsten „Killer-Applikationen“ im Web 2.0?

Die nächste Killerapplikation wird keine Web-Software sein. Es wird vielmehr die allgegenwärtige Verfügbarkeit des Internet sein. Das setzt voraus, dass die Netzbetreiber eine attraktive Preisstruktur und Bandbreite bieten. Ein Killertool wird bestimmt das Amazon Kindle (eBuch, das zugleich überall kostenlosen Wikipediazugang bietet), aber auch Googles Android (Handybetriebssystem auf Open-Source-Basis). Darüber hinaus erwarte ich noch viele kleine Scoops wie Twitter in diesem Jahr (obwohl es nur ein Spielzeug ist) oder Zattoo (einfach nur Fernsehen per Web).

Als Entwickler der Readers Edition haben Sie diese in einem Interview mit medienrauschen als eine „kleine Revolution in der deutschen Medienlandschaft“ bezeichnet. Welchen Einfluss wird der Bürgerjournalismus zukünftig auf den klassischen Journalismus haben?

Gute Frage. Nicht zu beantworten, eigentlich. Bürgerjournalismus steckt nicht mehr in den Kinderschuhen, aber es mangelt nach wie vor an Reichweite und guten Businessmodellen. Die Readers Edition, Myheimat.de oder jetzt.de werden letztlich nur Vorläufer sein. Ich bin gespannt, wann jemand mit einer interessanten Idee um die Ecke kommt, die die Bedürfnisse von Schreibern und Lesern gleichzeitig optimal erfüllt. Dann wird Bürgerjournalismus den klassischen Journalismus erst richtig beeinflussen. Maßgeblich dadurch, dass die Leute da draußen in der Regel viel mehr wissen als Journalisten. Bei der Themenfindung und Recherche werden die Adressaten der Journalisten zu Konkurrenten - oder zur Ergänzung.

Blogs, Wikis, Foren, Kommentare: Der user-generated Content ist ein zentraler Aspekt im Web 2.0. Mit dem Launch von Welt Debatte hat im April nun ein weiteres interaktives Format die nationale Medienbühne betreten. Welchen Beitrag leisten solche Webangebote Ihrer Meinung nach für die Demokratie in Deutschland und welche Rolle werden sie in Zukunft für die öffentliche Meinungsbildung spielen?

Die Debatte lebt und ist Grundbestandteil unserer Demokratie. Leser werden sich natürlich auf Plattformen wie Welt Debatte immer mehr Gehör verschaffen. Sie werden die öffentliche Meinungsbildung dort gleich in zweierlei Hinsicht beeinflussen: Zum einen die der Leser, aber natürlich auch die der Journalisten, die bei Welt Online arbeiten. In welchem Ausmaß, wird sich zeigen - aber das öffentliche Gespräch wird in den kommenden Jahren deutlich lauter werden. Welt Debatte und ähnliche Plattformen haben gegenüber Internetforen den Vorteil, dass Meinungen strukturiert und für eine weitere Debatte aufbereitet werden. Heißt: Der öffentliche Web-Diskurs wird völlig neu strukturiert.

Bereits im Februar dieses Jahres äußerte Arthur Sulzberger als Herausgeber der New York Times, es sei ihm egal, ob die Zeitung in fünf Jahren noch gedruckt erscheinen würde. Doch auch in Deutschland verlagern die Medienunternehmen Ihre Informationsangebote zunehmend ins Internet. Wie stehen Sie in diesem Zusammenhang zur möglichen Vergrößerung der Wissenskluft in der Gesellschaft im Zuge des „Digital Divide“?

Wissen ist heute mehr denn je Macht. Für die Entwicklungsländer kann das ein Vorteil sein, für Menschen hierzulande, die der rasanten Weiterentwicklung unseres Wissenstandes nicht mehr schritthalten, ein großes Problem. Da spielt es keine Rolle, auf welche Art und Weise Zeitungen erscheinen - aber sehr wohl, dass Menschen lernen, mit Medien, Medienkonsum und ständiger Wissensbeschaffung umzugehen. Für Deutschland kann das nur heißen: Medienkompetenz muss einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Das fängt im Kindergarten und im Elternhaus an, setzt sich in Schule und Freizeit, in der Ausbildung fort und endet auch im Berufsleben nicht. Heißt: Die Wissenskluft wird aller Voraussicht nach größer werden. Und ich bin mir nicht sicher, ob der Ruf nach mehr Bildung alleine ausreicht, um dem gegenzusteuern.

Herr Schink, vielen Dank für das Interview und ihren Blick in die Zukunft.

Mittwoch, 5. September 2007

Interview mit Annik Rubens


Ganz nebenher entdeckte Annik das Podcasting für sich. Sie hörte Adam Curry und war neugierig darauf, die Technik auszuprobieren. Bis nachts um vier Uhr tüftelte sie, bis alles funktionierte - die erste Folge Schlaflos in München (SiM) war geboren. Mittlerweile gilt Annik als eine Expertin für Podcasts und hat im O´Reilly-Verlag ein Buch Podcasting - Das Buch zum Audiobloggen veröffentlicht.

Mit dem Web 2.0 ist eine Art Bürgerjournalismus entstanden. Welchen Einfluss hat das auf die klassische Medienlandschaft?

Die klassischen Medienmacher haben durch Podcasts gemerkt, dass das gesprochene Wort durchaus wieder auf Interesse stößt. Und die klassische Medien nutzen diese Art der Ausstrahlung jetzt ja auch, beispielsweise durch eigene Podcasts.

Wie finanziert sich Ihre Webseite - allein durch Paypalspenden, Affiliate und kleine Werbebanner, oder gibt es mittlerweile einen Förderer im Hintergrund?

Es gibt keinen Förderer im Hintergrund. Die Website finanziert sich durch die linke Spalte und PayPal-Spenden der Hörer.


Was sind momentan Ihre Lieblinge in der Web-2.0-Landschaft, also Facebook, studiVZ, Flickr, Google Maps usw.?

Ich finde Facebook, Flickr und Last-fm sehr spannend. Google Maps nutze ich ebenfalls ständig. StudiVZ interessiert mich gar nicht, ebenso wenig eigentlich MySpace.

Welche dieser Dienste nutzen Sie persönlich und was fasziniert Sie daran besonders?

Welche Dienste ich nutze, ist in der rechten Spalte auf http://www.schlaflosinmuenchen.com zu sehen. Dort sind alle aufgelistet. Was ich faszinierend finde? Wenig. Ich experimentiere gerne mit Web-2.0-Applikationen, um zu sehen, welche davon Sinn machen in der Verknüpfung mit Podcasts. Twitter beispielsweise informiert meine Hörer mittlerweile über den aktuellen Stand der Dinge, was den Podcast angeht ("schneide gerade", "Folge online" etc.).

Welche dieser Dienste nutzen Sie nicht und halten sie für überflüssig?

MySpace gefällt mir nicht, wegen des Layouts und der ständigen, nervenden Werbebanner.

Welche neuen Angebote bringt uns das Internet in den nächsten 10 Jahren? Gibt es Steigerungen zu Google Maps, Flickr und studiVZ, oder wird das ultimative Portal einfach alle Dienste koppeln und damit zu einem unverzichtbarem Allround-Talent?

Wenn ich wüsste, was die nächsten 10 Jahre bringen, wäre ich der nächste Dot-Com-Millionär. Die Vernetzung wird natürlich weitergehen, die Endgeräte werden besser (iPhone etc.) und ich bin sicher, dass immer mehr Geschäftliches rein über das Netz stattfinden wird. Außerdem wird kaum mehr jemand einen PC haben, sondern nur noch ein mobiles Zugangsgerät, alle Daten werden im Internet liegen und - wie Gmail und Google Calendar heute schon - von überall erreichbar sein.

Freitag, 10. August 2007

Zukunft Web 2.0 - Wir wollen dabei sein



Was kommt nach Web 2.0? Wie sieht das Internet in 10 Jahren aus?
Zu diesen Fragen äußert sich einer, der es wissen muss: Florian Fritsche, seit Mai 2007 Geschäftsführer der Regiocast Digital GmbH. Die Regiocast Digital verfolgt das ehrgeizige Ziel, das führende Unternehmen bei der Herstellung und Verbreitung von Audioangeboten über digitale Verbreitungswege zu werden.


Welchen Einfluss hat Web 2.0 auf die Geschäftstätigkeit eines privaten Rundfunkanbieters? Konkurrenz oder Chance?

Das ist natürlich einerseits eine Riesenchance und andererseits eine große Herausforderung. Aber die Chancen von Radio stehen gar nicht schlecht. Denn: Online ist gerade für die Kids mehr als nur Chatten und Myspace-Seiten anschauen. Audio – also Musik, Ton, Sound – gehört gerade in den jungen Altersgruppen zum absoluten Gewinner der digitalen Medienentwicklung. Musik ziehen, mp3-Player aufladen und, und, und – diese Features boomen. Und dort hat Radio natürlich die besten Anknüpfungspunkte. Erstens war Radio schon immer ein Medium, das man auch parallel zu anderen Tätigkeiten, also nebenbei, hören und genießen konnte. Dieser Aspekt verliert angesichts der visuellen Realität des Internets natürlich nichts an Gültigkeit. Insbesondere dann nicht, wenn wir wie im Moment eine Entwicklung hin zu einer mobilen Nutzungssituation haben, die sich nicht wie früher auf das Autofahren beschränkt. Bei DVB-H reden wir über Mobiltelefone – also Omnipräsenz von Audio- und anderen Medien. Dort gehört Radio hin.

Wie aktiv ist die Radiozielgruppe (geschätzt 12 bis 45) überhaupt im Netz?

Bei Web 2.0 reden wir vorrangig über jüngere Zielgruppen. Dort war in der Vergangenheit die Angst unter den etablierten Medien groß, dass sich diese Hörer und Zuschauer komplett vom TV oder Radio verabschieden, eben weil sie sehr aktiv die neuen Medienangebote nutzen. Das hat sich nicht bewahrheitet. Für Radio ist genau das Gegenteil der Fall. Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass die Generation iPod nach einiger Zeit wieder verstärkt auf die Suche nach neuen Anregungen in Sachen Musik geht – und was es so alles zu hören gibt, erfährt man immer noch am besten und schnellsten im Radio. Darüber hinaus müssen wir den Kids natürlich entgegenkommen: Mit neuen Formaten, die zum Mitmachen einladen, die interaktiv sind und vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten bieten. Ich bin optimistisch das Radio und Audio eine starke Zukunft haben – virtuell und im echten Leben. Mobilität und Überraschung – davon wird Radio und Audio in Zukunft profitieren.


Was kommt aus Ihrer Sicht nach Web 2.0?

Wir sind der festen Überzeugung, dass sich das heutige Internet zu einem umfassenden virtuellen Orbit entwickeln wird. Vieldiskutiert in dieser Richtung wurde beispielsweise Second Life. Internet in 3D ist das nächste große Ding. Wir haben deshalb auch SECOND radio gegründet – unser Radio für die virtuelle Welt. Wir sehen das als virtuelle Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit Praxiszugang. Wir profitieren bei anderen Projekten bereits von den Lösungen, die wir bei SECOND radio gefunden haben und stellen fest, dass uns der praktische Umgang bei der Realisierung eines zwar virtuellen aber dennoch hochkomplexen neuartigen Radioansatzes auch in der „echten“ Welt sehr zu gute kommt: wir bauen Kompetenzen auf und entwickeln sehr nah am Hörer. Von der Idee einer virtuellen Welt – ob die nun Second Life heißt oder anders – sind wir überzeugt. Das wird die nächste Entwicklungsstufe des Internets sein. Dort beanspruchen wir mit unseren Radio- und Audioangeboten einen festen Platz.

Wie sieht dann Ihrer Meinung nach das Internet in ungefähr 10 Jahren aus?

Wenn wir einige Theorien zur Exponentialität des Wachstums in der Informationstechnologie zugrunde legen, werden wir in zehn Jahren schon unvorstellbar viel weiter sein. Lassen wir uns also überraschen.


Wie schätzen Sie konkret das künftige Verhältnis zwischen dem klassischen Hörer mit Radiogerät und denjenigen ein, die Radioinhalte ausschließlich übers Internet empfangen?

Das Stichwort ist Konvergenz: Den Hörer wird es in Zukunft sicher kaum noch interessieren, welche Technik, welche Verbreitung hinter dem Sound oder den Informationen steht, die er zu hören bekommt. Wir müssen uns jetzt schon darauf einstellen, dass Internet in nicht allzu ferner Zukunft ubiquitär sein wird. Dann gibt’s überall mobiles Internet. Und dahin entwickeln wir heute schon unsere Audioangebote. Egal welches Gerät oder welche Technik: Wir wollen dabei sein.


Sie scheinen sehr optimistisch zu sein, dass es zukünftig in der Mehrheit den aktiven und mobilen Rezipienten geben wird. Der Lean-Back-Konsument, der weniger aktiv/mobil ist, wird doch auch zukünftig in ausreichender Zahl vorhanden sein, oder?

Es ist natürlich selbstverständlich, dass man als Unternehmer nur mit positiven Zukunftserwartungen Erfolg hat. Und hinsichtlich des Web 2.0 wurden ja selbst die optimistischsten Erwartungen übertroffen.

Hintergrund

Unternehmen: www.regiocast.de

ARD/ZDF-Online-Studie: 2007 vorab (PDF), 2006 (PDF)

Zukunft des Radios: SpOn

Donnerstag, 2. August 2007

Mobile Web-Nutzung - ein Megatrend der nächsten Jahre

Von Karin Grimm

Heinrich Hußmann, Professor für Medieninformatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist Autor und Herausgeber von zahlreichen Fachbüchern und Zeitschriftenartikeln zur Entwicklungsmethodik und technischen Einbindung von Endbenutzer-Multimedia-Diensten auf Basis innovativer breitbandiger Netze. Er beantwortet Fragen nach gemeinsamen Forschungsprojekten von Industrie und universitären Einrichtungen auf dem Weg zum Internet der Zukunft.

Herr Professor Hußmann, Sie befassten sich bei der Siemens AG München und an der TU Dresden mit Entwicklungen im Bereich Öffentlicher Kommunikationsnetze. Gibt es gemeinsame Forschungsprojekte zwischen der Siemens AG und den beiden Universitäten, an denen Sie mitgewirkt haben?

Dazu muss man die Geschichte des Bereichs Öffentliche Kommunikationsnetze der Siemens AG kennen. Dieser Bereich wurde vielfach umgeformt, zunächst mit allen anderen Kommunikationstechnik-Bereichen zu "Siemens COM" fusioniert, später wieder in Einzelunternehmen zerlegt, die sehr unterschiedliche Entwicklungen nehmen. Die mobilen Endgeräte haben zum Beispiel unrühmlich in BenQ-Siemens geendet. Mein alter Arbeitsbereich wird derzeit in ein Joint Venture mit Nokia Siemens Networks integriert. Zu Zeiten, als die alten Strukturen noch galten, gab es verschiedene Formen von Kooperationsprojekten, unter anderem Diplomarbeiten, Promotionen, direkte Projektförderung und gemeinsame EU-Projekte. Derzeit sind die Kooperationen durch die vielen Umstrukturierungen deutlich geringer, aber immer noch zum Teil existent.

Gibt es gemeinsame Forschungsprojekte zwischen Industrieunternehmen, die im Bereich Kommunikationsnetzwerke sowie der Weiterentwicklung des Web agieren, und der Universität München, die Sie mit begleiten?

Kommunikationsnetzwerke und das Web sind ganz verschiedene Dinge. Man spricht hier von einer Schichtenarchitektur. Vereinfacht: Ganz unten sitzen Geräte, die ganz einfach Bits über Leitungen übertragen. Diese Technik wird von der nächsthöheren Ebene benutzt, z.B. Routern, die IP-Datenpakete zustellen. Darüber wieder sitzen Geräte, die über ein IP-Netz spezielle Dienste abwickeln, wie das WWW zum Beispiel unter Nutzung des HTTP-Protokolls. Eine noch höhere Ebene wird von konkreten Anwendungen gebildet. Das bedeutet, dass Industrieunternehmen meist nur auf einer dieser Ebenen aktiv sind. In meiner Arbeit an der Uni München befassen wir uns vorwiegend mit sehr hohen Ebenen.

Könnten Sie Beispiele für solche Industriekooperationen nennen?

Konkrete Beispiele sind: Erstens eine Kooperation mit einem mittelständischen Verlag, der Lokalzeitungen aus "User-Generated Content", also Bürgerjournalismus, produziert. Hier haben wir ein Web-basiertes Unterstützungssystem für das Erstellen von Beiträgen unter Beachtung journalistischer Grundregeln gebaut. Zweitens gibt es eine Kooperation mit Siemens, bei der wir in Zusammenarbeit mit Sozialwissenschaftlern und Ökonomen versuchen, mögliche Szenarien der unternehmensinternen Kommunikationsstrukturen vorauszudenken und zu erraten, welche Features für künftige Kommunikationssysteme wichtig werden könnten.

Es gibt Befürchtungen, dass sich das Web in Richtung eines Zwei-Klassen-Internet entwickeln könnte, das von den Telekommunikationskonzernen diktiert wird. Nur zahlungskräftige Web-Unternehmen hätten dann noch eine Chance auf breitbandige Internetanbindungen, während kleinere Firmen, Blogger, Newcomer etc. im WEB 3.0 das Nachsehen hätten. Welche Beobachtungen machen Sie bezüglich der Marktentwicklung?

Ich kenne eher das Problem des "Digital Divide", das ebenfalls eine Zwei-Klassen-Trennung beschreibt, zwischen denen, die Zugriff auf moderne Informations- und Kommunikationstechnologien haben und denen, denen ein solcher Zugang verwehrt bleibt. Die Gefahr, dass das Internet von Telekommunikationskonzernen dominiert wird, sehe ich eher nicht. Es handelt sich ja um eine extrem flexible und anpassungsfähige Infrastruktur, die zentrale Einheiten von der Grundarchitektur her vermeidet. Ich bin absolut davon überzeugt, dass ein Versuch, das Internet zu monopolisieren, in kürzester Zeit zu einem noch dezentraleren, kooperativen Internet führen würde. Ansätze zu einer solchen Entwicklung sieht man schon in der "One Laptop per Child" Initiative, bei der ja Geräte verteilt werden, die sich ohne eine von außen bereitgestellte Infrastruktur untereinander vernetzen. Zum Begriff "WEB 3.0" ist zu sagen, dass dies eine relativ ungeschickte Marketing-Initiative einer eher akademisch ausgerichteten Gruppe von Forschern ist, die das sogenannte "Semantic Web" favorisieren. Schon der Begriff "WEB 2.0" ist mehr ein Marketing-Label als ein technisch wirklich definierbarer Begriff.

Eine Funktion des eben erwähnten Semantic Web soll ja darin bestehen, dass Informationen im Web nicht nur gefunden, sondern interpretiert werden. Intelligente lernfähige Systeme sollen daraus spezielle Aktionen ableiten. Web-Anwendungen würden dann zum Beispiel auf die momentane Situation der authentifizierten Person direkt reagieren. Ist es realistisch, zu erwarten, dass das Web im Jahre 2017 bereits diese Leistungsfähigkeit hat?

Hier werden eigentlich zwei Dinge vermischt: Einerseits bietet das Semantic Web eine Infrastruktur, die eine wesentlich bessere Klassifikation von Informationen ermöglicht. Dies erlaubt unter anderem wesentlich trennschärfere Suchmaschinen, die nicht wie heutige Suchmaschinen gleichlautende aber inhaltlich verschiedene Begriffe identifizieren. Natürlich bietet das Semantic Web eine bessere Basis für intelligente und lernfähige Anwendungen, aber prinzipiell ist dies eine separate Entwicklung, die auch derzeit ohne Semantic Web zum Teil schon versucht wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Semantic Web zumindest in Teilbereichen des Web bis 2017 Realität sein wird.

Welche weiteren Funktionen könnte uns das Internet künftig bieten?

Es wird bis 2017 noch viele Dinge geben, von denen wir uns im Moment keine rechte Vorstellung machen. Es könnte beispielsweise sein, dass die Dominanz von HTML bis dahin nicht mehr gegeben ist und wir wesentlich "reichere" Schnittstellen zur Verfügung haben, die den Unterschied zwischen Anwendungsprogrammen und Websites immer mehr verwischen. Zur Zeitskala: Mein erster Kontakt mit dem Web war ca. 1992 (und das war durchaus als Pionier), also vor 15 Jahren. Von heute aus zehn Jahre in die Zukunft zu denken ist ein unvorstellbar großer Schritt! Diese Technologie entwickelt sich eben mit einem rasenden Tempo weiter.

Die Personalisierung setzt sicher auch andere Authentifizierungsmöglichkeiten an verschiedenartigen Endgeräten im Web voraus. Könnten dafür künftig biometrische Verfahren, wie Fingerabdruck, Gesichtsvermessung, Irisvermessung an Bedeutung gewinnen?

Klare Antwort: Ja. Zum Teil haben heute bereits Laptops Fingerabdruckleser eingebaut. Die eingebauten Kameras werden Gesichtsvermessung sehr einfach realisierbar machen.

Sind anderweitige Möglichkeiten der Authentifizierung zu erwarten?

Hier gibt es viele Möglichkeiten: Sprachanalyse, Beobachtung von Nutzungsverhalten, physische Präsenz an bestimmten Orten oder Nähe zu bestimmten Gegenständen...

Endgeräte zur Web-Nutzung müssten dann in der Lage sein, nicht nur auf Eingabe per Tastatur oder Touchscreen zu reagieren. Alternativ wären Spracheingaben möglich. Welche Möglichkeiten würden Sie sonst noch in Betracht ziehen?

Ein ganz wesentlicher Trend sind Lesegeräte für elektronische "Tags", also Radio Frequency Identification (RFID) beziehungsweise die Weiterentwicklung Near Field Communication (NFC). Wir haben im Labor Prototypen, bei denen man auf diese Weise mit Plakaten interagieren kann, in denen solche Tags integriert sind. Nokia baut bereits serienmäßig Handys, die NFC-Technologie unterstützen. Man kann dann zum Beispiel allein durch Berühren des Kinoplakats eine Kinokarte reservieren. Zu nennen sind auch Techniken, die die hochauflösenden Handy-Kameras nutzen, um spezielle Marker-Muster zu erkennen oder auch Räume, Personen etc. zu identifizieren. Dann gibt es die Möglichkeit, dass die Lokalisierung über Netzzellen, GPS oder die Anwesenheit in bestimmten lokalen Funknetzen als Eingabeinformation genutzt wird, um den Nutzungskontext für Anwendungen festzulegen. Eine Eingabetechnik, die zum Teil von Apple und Samsung bereits unterstützt wird, sind Bewegungs- und Beschleunigungssensoren im Handy, mit denen man Bewegungen oder Gesten erkennen kann. Wie man sieht, sind diese Beispiele vorwiegend für die mobile Web-Nutzung, was mit Sicherheit einer der ganz großen Megatrends der nächsten Jahre werden wird.

Befasst man sich an der Universität München mit Themen, die für die Entwicklung des Semantic Web Bedeutung haben und können Sie bitte ein Beispiel nennen?

Im Prinzip ja, allerdings nicht in meiner Arbeitsgruppe. Die Gruppe von Prof. Bry entwickelt beispielsweise neue Anfragesprachen für das Semantic Web und koordiniert ein großes Exzellenz-Netzwerk von Semantic-Web-Forschern in Europa, das von der EU gefördert wird. Es handelt sich dabei um das Projekt REWERSE.

Ein großes Problem für die künftige Entwicklung des Web stellt aus meiner Sicht die Vielfalt der individuellen Kommunikationsangebote dar. Das sind die Angebote im Web selbst, aber auch zum Beispiel Radio, Fernsehen, mobile und Festnetz-Telephonie. Diese basieren auf unterschiedlichsten Technologien. Gibt es Trends zur Vereinheitlichung von Übertragungswegen, Schnittstellen, Diensten und Protokollen oder Formaten?

Auf allen diesen Ebenen gibt es umfangreiche Standardisierungsbemühungen, auf die einzugehen hier zu umfangreich würde.

Gibt es Bestrebungen auch die Kommunikationsplattformen zu vereinheitlichen?

Seit vielen Jahren bemüht sich die Industrie um das sogenannte "Unified Messaging" oder auch "Unified Communication". Gemeint ist damit, dass man nur eine Adresse pro Teilnehmer hat und die konkrete Wahl der Kommunikationsplattform (Mail, VoiceMail, Festnetz, Mobiltelefon) automatisch erfolgt. Die Beobachtung der Benutzungspraxis zeigt aber, dass Nutzer auch eine gewisse Semantik mit verschiedenen Kommunikationsplattformen verbinden. Ein Anruf mit dem Mobiltelefon ist "intimer" als ein Anruf auf der Büro-Telefonnummer, die häufig mit gewissen Tabus belegt ist. Man kann also durchaus langfristig mit einer Vielfalt von Kommunikationssystemen rechnen. Was sich vermutlich vereinheitlichen wird, ist die Masse verschiedenartiger mobiler Endgeräte, wie Musikspieler, Handy oder PDA. Hier weisen die Smartphons und insbesondere das iPhone den Weg.

Mit der Personalisierung des Web ist die Speicherung einer Vielzahl individueller Daten unumgänglich. Wie sicher ist das Internet dann noch?

Das Internet ist so sicher wie die Anwendungen, die darauf laufen. Bereits heute ist durch unzuverlässige Dienstanbieter, Trojaner etc. eine sehr hohe Bedrohung gegeben. Technisch lassen sich sehr wirksame Vorkehrungen treffen wie zum Beispiel die Verschlüsselung von Daten. Der Schwachpunkt sind immer die Menschen, die entweder zu bequem sind, Sicherheitsmaßnahmen wirklich zu treffen oder Unbekannten unberechtigtes Vertrauen entgegenbringen. Eine wesentliche Veränderung der Situation wird in dieser Hinsicht durch die Weiterentwicklung des Internet wahrscheinlich nicht eintreten.


Weitere Informationen:
http://www.medien.ifi.lmu.de/team/heinrich.hussmann/
http://www.medien.informatik.uni-muenchen.de/
http://www.zim.uni-muenchen.de/portrait/mitglieder/hussmann/index.html
http://www-st.inf.tu-dresden.de/home/MI-MUC/de/team/hussmann/

Freitag, 27. Juli 2007

Wie geht es weiter im Internet? Professor Klaus Meier im Gespräch.

Klaus Meier ist als Autor des Buches "Internet-Journalismus" und Dozent des Studiengangs "Online-Journalismus" der richtige Ansprechpartner für Kristin Gogolok, die mehr über das Heute und Morgen des Internets wissen möchte.


Herr Professor Meier, seit 2001 kann man in Darmstadt „Online-Journalismus“ studieren. Das Internet befindet sich jetzt in einer rasanten Entwicklungsphase. Neue Konzepte des so genannten Web 2.0 oder des „Social Marketing“ revolutionieren nicht zuletzt auch den Online-Journalismus. Welche neuen Features sind für den Journalismus am interessantesten?


Nun, Web 2.0 hat im Kern nichts Neues gebracht – sowohl das multimediale Erzählen, also die Kombination von Text, Foto, Video und Audio – als auch die Interaktivität zwischen Redaktion und Publikum sowie zwischen den Nutzern waren schon von Anfang an im Online-Journalismus möglich – und es gab schon in den 90er Jahren innovative Formate.

Im Detail sind allerdings neue Features dazugekommen, die interessante Formate erst technisch so richtig ermöglicht haben: die Einbeziehung des Nutzers in allen Bereichen des journalistischen Contents. Das Schlagwort „Web 2.0“ vernebelt indes, dass sich auch anderswo viel getan hat: Denken Sie nur an die neuen Videoformate oder die professionelle Klickzahlmessung, die inzwischen Standard ist und sich in crossmedialen Redaktionen auch auf Print auswirken.

Durch die Stärkung der Position des Lesers bietet das Internet ein großes Demokratiepotenzial. Welche Online-Angebote nutzen Ihrer Meinung nach dieses Potenzial?

In Deutschland sind dies vielleicht Neon und jetzt.de. Oder der Blog der Tagesschau: Er macht redaktionelle Arbeit sehr transparent. Im Ausland ist das, was die BBC macht – nämlich eine crossmediale Verbreitung von User Generated Content nicht nur im Internet, sondern auch in Radio und Fernsehen – ganz innovativ.

Welche Online-Trends halten Sie für überflüssig?

Für überflüssig halte ich eigentlich gar nichts. Redaktionen müssen experimentieren, ausprobieren, testen, wieder verwerfen, optimieren – um neue Formen und Formate zu entwickeln. Das ist eine ungemein spannende Phase des Journalismus. Nicht besonders innovativ ist meines Erachtens die Kopie alter Formate ins Internet – zum Beispiel separate Nachrichtensendungen á la Tagesschau, wie es welt.de macht.

Welche Internet-Phänomene beobachten Sie kritisch?

Kritisch sehe ich so manche Auswüchse des „Trends zum Leserreporter“ im Boulevard. Wenn professioneller Journalismus neue Möglichkeiten im Sinne eines „Citizen Journalism“ oder eines partizipativen Journalismus nutzen möchte, muss er das Publikum respektvoll als aktiv beteiligte Bürger einbeziehen. Journalisten sind dann die Moderatoren des Diskurses; sie hören zu, was das Publikum zu sagen hat, beschäftigen sich mit den Themen, welche die Menschen bewegen, – und behandeln Leser nicht nur als „Leser-Reporter“, die bloße Zuträger, Informanten oder Lieferanten von Fotos und Videos sind.

Lassen Sie uns bitte einen Blick in die Zukunft werfen. Wie sieht das Internet in zehn Jahren aus? Was wird charakteristisch sein für das Web 3.0?

Zehn Jahre sind ein unglaublich langer Zeitraum im Online-Journalismus. Ich denke, dass bis dahin crossmediales Denken und Arbeiten in fast allen Redaktionen selbstverständlich geworden ist. Potentiale sehe ich noch im Multimedia-Storytelling – etwa bei Audio-Slideshows oder intelligenten Kombinationen von Text, Bild, Audio und Video. Da wird es noch einige technische Entwicklungen geben, welche das Internet noch mehr zu einem audiovisuellen Vergnügen machen. Fast alle Webseiten, wie wir die zurzeit kennen, sind mir zu starr und standardisiert – selbst wenn Sie verschiedene mediale Erzählformen einsetzen.

Vielen Dank für das Interview!


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Donnerstag, 26. Juli 2007

„Schauen wir doch mal, wie wir das alles vernünftig nutzen?“

Was kommt nach Web 2.0? Dazu gibt es sehr verschiedene Ansichten. Stephanie Höse befragte Thomas Mrazek, selbst Onlinejournalist und aktiv im Web 2.0 unterwegs.



Thomas Mrazek, Onlinejournalist und Leiter der Fachgruppe Online-Journalismus im Bayerischen Journalisten-Verband.




Was kommt nach Web 2.0? Was halten Sie von dem Modell des Semantic Web, das in der immer größer werdenden Datenflut die Spreu vom Weizen trennt?

Ein "Semantic Web" oder "Web 3.0" entspricht einer meiner persönlichen Wunschvorstellungen: So, nachdem wir jetzt einen riesigen Haufen von nützlichen Web-Applikationen und -Modellen angesammelt haben, schauen wir doch mal, wie wir das alles vernünftig nutzen können, könnte die Parole lauten.

Denken Sie, dass die semantische Aufbereitung aller Inhalte allein durch intelligente Software zu meistern ist?

Nein, für den ganzen Wust an Inhalten brauchen wir auch Leute, die professionell "die Spreu vom Weizen" trennen. Damit kann ich mich als Journalist natürlich sofort anfreunden. Allein, ob es so einen großen Stellenwert einnehmen wird, ob wirklich in großem Umfang wirtschaftlich tragfähige Modelle und intellektuell und kreativ anspruchsvolle, auskömmliche Arbeitsplätze entstehen - ich mag nicht so recht daran glauben. Freilich wird dieses Modell aber auch ein wichtiger Baustein im künftigen Netz sein.

Was halten Sie von der Ansicht, dass wir zukünftig im Internet durch 3D-Welten wandern werden, anstatt auf zweidimensionalen Seiten nach Informationen zu suchen?

Zwar gibt es an Second Life (SL) einiges zu kritisieren, aber es gibt ja auch schon Konkurrenz zu diesem Angebot – und die werden nicht unbedingt die Fehler machen, die die SL-Gründer von Linden Lab gemacht haben. Totsagen würde ich dieses Modell daher nicht, manche Funktionen könnten in nächster Zukunft zu den Standards im Web gehören.

Wie denken Sie über eher negative Zukunftsvisionen wie der vom Zweiklassen-Internet, in dem nur noch die Inhalte zahlungskräftiger Web-Unternehmen beim Leser ankommen?

Sicherlich werden Unternehmen weiterhin versuchen, so viel wie möglich vom Web zu profitieren und manches Angebot, das vielleicht bis dato noch kostenlos zu erhalten war, wird von heute auf morgen kostenpflichtig; da wird es Versuche in allen Bereichen geben. Aufgrund der Architektur und der Kultur des Internet kann ich mir aber nicht vorstellen, dass sich so etwas auf breiter Basis durchsetzt. Andererseits wünsche ich mir, dass sich für uns Journalisten "irgendwelche" Modelle finden, mit denen unsere Leistungen auch im Internet angemessen dotiert werden.

Welche Auswirkungen werden diese Entwicklungen auf die Printmedien und das Fernsehen haben, die sich ja bereits jetzt durch das Internet bedroht sehen?

Auch wenn es eine Binse ist: Die genannten Medien müssen sich der Entwicklung im Internet so weit wie möglich anpassen. Das wird eigentlich seit gut zehn Jahren in Sonntagsreden von Medienmachern immer wieder selbst propagiert und versprochen - beim Versprechen bleibt es dann aber leider allzu oft. Selbstverständlich wird es auch weitere schmerzliche Einbußen geben, die sich nicht vermeiden lassen: Ob geringere Nutzungsintensität und -attraktivität; da sind sehr ausgereifte Crossmedia-Strategien gefragt,die vielleicht diese Einbußen wieder ausgleichen.

Einige Experten verweisen bei dieser Diskussion auf das Rieplsche Gesetz, das besagt, dass kein neueres Medium ein altes verdrängt, sondern nur seine Funktion ändert. Wie stehen Sie dazu?

Nur sich auf das Rieplsche Gesetz zu berufen reicht einfach nicht. Medien müssen sich in Zukunft gehörig anstrengen, um weiterhin wirtschaftlich tragfähig zu bleiben und einen bedeutenden Beitrag für den demokratischen Diskurs zu leisten. Dazu ist es etwa notwendig, dass die Medien aus den o.g Modellen bzw. Entwicklungslinien ihre Schlüsse ziehen und nicht etwa blind drauflos legen (siehe etwa den fast schon irrationalen Zukauf von "Web 2.0-Buden" durch einige Medienhäuser). Ebenso ist es aber auch notwendig, sich von manchem tradierten Geschäftsmodell zu verabschieden und sich mitunter radikal auf neue Wege zu begeben.

Welche Auswirkungen werden diese Entwicklungen auf die Gesellschaft haben? Werden sich die Grenzen zwischen offline und online immer mehr auflösen und wird damit das Internet allgegenwärtig werden?

"Neue Techniken führen nicht automatisch zu mehr Demokratie", sagte etwa Peter Glotz. Das gleiche gilt meines Erachtens für eine "Allgegenwärtigkeit des Internet". Aus verschiedenen Gründen können nicht alle Menschen gleichermaßen an den positiven Eigenschaften des Netzes partizipieren. Das gilt sowohl für die Mikro- als auch für die Makroebene, denken wir hier nur an die Globalisierung.

Was passiert dann mit den Menschen, die keinen Zugriff auf das Internet haben?

Diejenigen, die diese "Beschleunigung" (Glotz) nicht mitmachen können, können zu Opfern einer digitalen Kluft, zu "Vernetzungsverlierern" (Glotz) degradiert werden. Aber demokratische Systeme sollten so wach und so stark sein, diese Einflüsse bei ihrer eigenen Weiterentwicklung zu berücksichtigen und adäquat darauf zu reagieren.



Thomas Mrazek schreibt im Blog Netzjournalist.

Samstag, 14. Juli 2007

Der Poetenweg in Leipzig


Video: Was hat es mit dem Poetenweg in Leipzig Gohlis auf sich? Woher hat die Straße im Leipziger Villenviertel ihren Namen? Unsere Videojournalisten waren für Sie unterwegs, sehen Sie hier.